Geschichte und Kultur

Die Gegend von Rajhradsko im Nebel des Altertums.



Einen geheimnisvolleren und so geistig geprägten Ort in der Nähe von Brno, auf den ersten Blick zwar in einer etwas fade erscheinenden und flachen Landschaft, werden Sie wohl kaum woanders in dem gesamten südmährischen Raum finden. Die Schnellstraße von Brno nach Pohoøelice führt uns hinaus aus dem Gewimmel und Trubel der mährischen Großstadt in eine weit auslaufende und ruhige Niederung von Svratka. Zuerst richten wird unseren frontalen Blick auf die, in der Ferne emporragende blaue Silhouette von Pálava - der „südmährischen Tatra“ und werden ebenfalls gefesselt von dem links davon plötzlich erscheinenden faszinierenden und weiten Landstreifens, der von den Menschen schon so lange besiedelt ist, dass uns von dieser historischen Bedeutung ein wenig der Schwindel ergreift.

Dieser fruchtbare Talkessel, das seit Menschengedenken bewohnt ist und seit Urzeiten nicht nur von dem Fluss Svratka gespeist wird, sondern auch von seinen zahlreichen Flussarmen und Zuflüssen. Eben diese lebensspendene Ebene, von wärmenden Sonnenstrahlen erfüllt, wird im Nordwesten von der sich erhebenden Anhöhe von Rajhrad, im Osten durch den ®dánický Wald und im Süden durch einen unübersehbaren und dominanten Kegelberg namens Výhon begrenzt. Die, an einen Spitzenstoff erinnernde Form des in der Ferne liegenden Gebirges von Bílé Karpaty verbindet bei guter Sicht am Horizont das Diesseits mit dem Himmel.

Wie auf einer Handfläche liegend öffnet sich vor unseren Augen eine Landschaft, die uns an das Paradies erinnert - ein wunderschöner Garten, voller Hainenwälder, mit Wildgehegen und kleinen Wäldchen, mit farbigen Feldern, Obstgärten und Weinbergen. Der Fluss Svratka, durch seinen langsamen Lauf und verziert von silbrigen Flussarmen, misst die ewige und nicht umkehrbare Zeit. Er trägt in sich das Wissen von Generationen, die in seiner Umgebung innerhalb von fünf Jahrtausenden geboren wurden und starben. Generationen, die dem Vieh sein Wasser gaben oder es mit der Erde vermengten, um daraus Tongegenstände zu schaffen.

Die alten Slawen haben sich nicht in ihren gewagtesten Träumen ihre künftige Heimat so vorstellen können, wie sie sie vorfanden, als sie im zweiten Jahrhundert nach Christus in Richtung Westen zogen. Fern von ihrer viel raueren Urheimat betraten sie unsere Gegend im fünften Jahrhundert und blieben auch hier. Nach und nach bauten sie ihre Siedlungen und bildeten schließlich ein starkes Staatsgebilde, dessen Mittelpunkt sich genau in dieser Gegend fand – dem Großmährischen Reich. Um sich vor feindlichen Streifzügen zu schützen, bauten sie gewaltige festungsartige Burgstätte. Eine der zwölf bedeutendsten entstand auch in dieser Gegend. Gut versteckt in den Auenwäldern und Sümpfen war diese problemlos nur den Einheimischen und Kennern zugänglich. Diese Burgstätte nannten sie, wie denn sonst, eine paradiesische Burg – Rajhrad. In ihrer Umgebung entstanden Siedlungen, deren Namen zwar unbekannt sind, die jedoch zweifellos in einem regen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontakt mit der Burg gestanden haben. In diesem goldenen Zeitalter durchquerten diese wunderbare Landschaft die berühmten Gebrüder Kyrill und Method aus Thessaloniki mit ihren Schriften und Worten, die bis heute beflügelnd sind. Grausame Umstürzungen in der Geschichte fegten dieses Großmährische Reich in die Vergangenheit, doch auf seinen Trümmern fing das Land wieder an zu blühen. Der böhmische Fürst Bøetislav I., der Mähren den Polen und Ungarn entzog, schenkte Mitte des 11. Jahrhunderts die alte verlassene landesherrschaftliche Burg den Benediktinern aus Bøevnov. Hinzu fügte er noch die uralten Dörfer, unter anderem Rajhrad, Rajhradice, Opatovice und Popovice, später kam auch Holasice hinzu. Die Burg Rajský hrad verfiel, doch auf ihren Ruinen wurde ein Benediktinerkloster errichtet, der ihren Namen und auch ihre Rolle übernahm. Das Kloster wurde zum Zentrum dieser reizvollen Landschaft, einem Erbe, den es von der Bevölkerung des Großmährischen Reichen als Erbschaft übernahm. Und es blieb über die ganzen Jahrhunderte ein geistliches und architektonisches Kleinod bis in die Gegenwart.





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